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Digitale Schule in der Ukraine: besser als in Deutschland?

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In Zeiten des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine zeigt sich einmal mehr, was im deutschen Schulsystem alles möglich ist. Aber nicht zuletzt auch, was fehlt. (Quelle: Quelle: Bob Blume (Foto), IServ GmbH (Grafik))
04.05.2022 · Lesedauer: 4 Minuten

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat auch Auswirkungen auf die deutschen Bildungseinrichtungen: Schulen stehen vor der Herausforderung, ein komplexes Thema angemessen zu thematisieren, Solidarität zu zeigen und nicht zuletzt ukrainische Geflüchtete soweit es geht in den Schulalltag zu integrieren. Einmal mehr zeigt sich, was alles möglich ist. Aber nicht zuletzt auch, was fehlt.

Wer lernt von wem?

Wie oft ein Tweet gelikt wird, muss nicht zwangsläufig dafürsprechen, dass er eine hohe Qualität hat. Bei über 20.000 Likes und einer Sichtbarkeit vom 850.000 Menschen muss man jedoch festhalten: Es gibt nicht wenige, die das dort Festgehaltene für bedenkenswert halten. Der Tweet ging so:

Immer mehr ukrainische Geflüchtete kommen ins deutsche Schulsystem. »Da ist natürlich ein immenser Nachholbedarf, gerade bei digitalen Plattformen, Videounterricht und Lerninhalten, aber wir helfen, wo wir können«, so einer der Geflüchteten im Interview.

Im Angesicht der momentanen humanitären Katastrophe mag man die Pointe für unangemessen halten, was ich in einem Tweet darunter auch anmerke. Eines sollte aber deutlich werden, auch wenn man sich unter den hunderten Kommentaren umschaut: Es handelt sich zumindest um eine Annäherung an eine Realität, die auch anders hätte aussehen können.

Sofort mit dem Lernen losgelegt

Die Gegenüberstellung fiel mir in den Schoß, als ich von einer Nachbarin hörte, dass sie eine ukrainische Geflüchtete aufgenommen hat, die, quasi mit Einzug, sofort begann, Online-Unterricht zu beziehen. Wenn man sich überlegt, wie lange es in Deutschland in der ersten Corona-Welle gebraucht hat, einigermaßen gangbare Wege zu finden, wie man Online-Unterricht durchführt, der nicht aufgrund eines zu schlechten Internets, fehlenden Geräten oder Konzepten oder zu wenig geschulten Personals verhindert wird, ist das mehr als erstaunlich.

Dies soll die Ukraine nicht schmälern, im Gegenteil: Wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Lebenserwartung in Deutschland fast 10 Jahre höher ist, dass es bei der Arbeitslosigkeit fast andersherum ist und dass wir es mit Bruttoinlandsprodukten zu tun haben, sie sich um ein Vielfaches unterscheiden, dann fragt man sich jedoch zwangsläufig, wie ein Staat in der Mitte von Europa so versagen konnte. Und das fällt uns einmal mehr auf die Füße.

Während die Ukraine ein voll ausgearbeitetes Bildungsangebot hat, auf dem die Schülerinnen und Schüler Inhalte von der 5. bis zur 11. Klasse finden können, ist eine nachhaltige Digitalisierung des Bildungssystems in Deutschland immer noch im Bereich eines frommen Wunsches. Immerhin: Viele ukrainische Geflüchtete konnten oder können also mehr oder weniger mit dem Lernen beginnen – sofern das deutsche Internet es zulässt.

Hilfsangebote

Das bedeutet freilich nicht, dass sich das deutsche Schulsystem aus der Verantwortung nehmen kann. Ukrainische Geflüchtete ins deutsche Schulsystem aufzunehmen bleibt eine wichtige Aufgabe, allein um sozialen Kontakt herzustellen für die vielen Kinder und Jugendlichen, die entweder nur mit der Mutter oder gar allein nach Deutschland geflohen sind. In der ARD-Mediathek gibt es Videos oder auch Spiele zum Deutsch lernen (planet-schule.de), aber auch private Anbieter haben schon Inhalte produziert, die einem beim Helfen unterstützen können wie zum Beispiel auf esblog.de , ukraine-hilfe-bildung.de , stiftungbildung.org , oder elternratgeber-fluechtlinge.de .

Das alles soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Aufnahme auch bedeutet, dass die Ressourcen gebündelt werden müssen. Oder einfach ausgedrückt: Wenn wir in den Schulen die Menschen aufnehmen und sie ans gemeinsame Lernen heranführen wollen, dann müssen andere Dinge eben zurückstecken. Wie immer ist dies nicht ohne Entlastung zu schaffen, die aber bisher – nach meinem Kenntnisstand – noch von keiner Seite zugesichert wurde.

Krieg als Thema

Unabhängig davon müssen Schulen noch eine ganz andere Aufgabe bewältigen: Der Krieg, das sollte inzwischen klar geworden sein, ist auch ein Informationskrieg. Ein Informationskrieg, in dem Propaganda von »ganz normalen« Influencern und auf den verschiedensten Internetseiten und Plattformen ausgetragen wird.

Gerade junge Schülerinnen und Schüler, deren Hauptnachrichtenquelle das chinesische Videonetzwerk TikTok darstellt, können irritiert, verwirrt oder so stark beeinflusst werden, dass sich dies bis hinein in die Schule auswirken kann. Fake News und Co. muss also nochmals mehr im Unterricht thematisiert werden. Drastischer: Dies nicht zu tun, wäre geradezu fahrlässig. Auch hierzu gibt es verschiedene Angebote, die auch von Lehrkräften durchgeführt werden können, die wenig Vorwissen haben (z. B. digitale-helden.de oder klicksafe.de ).

Wie immer kann man nur festhalten: Das Lamentieren nützt nichts. Ja, wir hätten besser vorbereitet sein müssen. Ja, eine Plattform oder Inhalte, in die wir auch geflüchtete Menschen nur hätten einbinden müssen, würde uns nun einige Mehrarbeit ersparen. Aber das Wichtigste bleibt: Unsere Verantwortung und Solidarität für ein gemeinsames Europa ernst zu nehmen! Packen wir es an!

Dies ist ein Kommentar von Bob Blume. Die Meinung des Autors entspricht nicht zwingend der Meinung unserer Redaktion.

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Bob Blume
Kritisch bleiben! #twitterlehrerzimmer #twlz #newlearning #deutschunterrichtdigital Autor @ Auer, AOL, Beltz.
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