IServ: Vom Schulprojekt zum Marktführer

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IServ-Gründer Jörg Ludwig öffnet die Tür zum ehemaligen Serverraum der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule. Hier nahm die Geschichte von IServ einst ihren Anfang. (Quelle: Alexandra Siering)

„2020 hat in der Entwicklung fünf Jahre übersprungen“, sagt Jörg Ludwig. Unser Gründer und Geschäftsführer blickt mit unglaublichen 20 Jahren Erfahrung auf die Schuldigitalisierung in Deutschland zurück. Dies ist die Geschichte der digitalen Schulplattform IServ.

Aus der Schule für die Schule

Plötzlich war das Thema omnipräsent. Die Ausnahmesituation im Angesicht der Covid-19-Infektionen sorgte dafür, dass die digitale Schulbildung zwischen List und Oberstdorf, zwischen Görlitz und Aachen einen gewaltigen Schub erfuhr. Geografisch zentral verortet erlebte besonders auch IServ einen Ansturm. Im Homeschooling-Szenario nutzen inzwischen täglich fast 4.700 Schulen und 2,4 Millionen Schülerinnen und Schüler unsere digitale Schulplattform ‚made in Niedersachsen‘.

All das nahm denkbar klein seinen Anfang. Zur Jahrtausendwende kam eine Gruppe Neuntklässler der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule in jeder freien Minute in einem Kellerraum kaum größer als eine Abstellkammer zusammen. Zwischen Pizzakartons und Hausaufgaben tüftelten die Gymnasiasten ihre Version einer Schulsoftware aus. Unter der Anleitung eines engagierten Lehrers hatten sie sich das Ziel gesetzt, „ein System zu bauen, das jedem Schüler eine eigene E-Mail-Adresse bereitstellt“, berichtet Jörg Ludwig. Der heute 38-Jährige war einer jener Schüler, die auch Diskussionsforen, Chaträume und Dateiaustausch für das System programmierten und die Idee schlicht „IServ“ tauften.

Ohne Fördermittel oder Kredite, dafür aber mit der Empfehlung einer Prämierung bei ‚Jugend forscht‘, wuchs das Schulprojekt schnell heran. „Andere Schulen kamen bald auf uns zu“, erinnert sich Jörg, denn: „Es hatte sich von ganz selbst herumgesprochen, dass der IServ funktioniert und praxisgerecht die Anforderungen der Schulen erfüllt.“ Die Zahl der betreuten Schulen wuchs bis 2006 auf 500, vor allem Braunschweig und Osnabrück gehörten zu den Vorreitern.

„Ein rundes Produkt aus den besten Ideen“

Und Jörg? Der wuchs aus der Schule direkt in die Unternehmerposition hinein, ganz so, wie es im IServ-Slogan heißt: „Aus der Schule für die Schule“. Der Softwareentwickler studierte an der TU Braunschweig Informatik und gründete 2009 gemeinsam mit seinem heutigen Geschäftspartner Benjamin Heindl eine GmbH. Die Philosophie des Start-ups sieht grundsätzlich eine gewisse Nähe zum Kunden vor. „Die meisten Funktionen im IServ kommen aus einem permanenten direkten Austausch mit den Schulen“, betont er und ergänzt: „Aus den besten Ideen entwickeln wir ein rundes Projekt“.

Auch der Support ist bei IServ mit enthalten: Die Server stehen direkt in den Schulen und vollziehen die Datensicherung oder installieren Updates über Nacht, ohne dass ein Schul-Admin die digitalen Arbeitsplätze vor Ort verwalten muss. Der dezentrale Ansatz gewährleistet eine hohe Ausfallsicherheit. Anfang 2020 betreute unsere Firma auf diese Weise bereits an die 2.000 Schulen – die meisten davon in Niedersachsen. Dann kam Covid-19.

„Aus der Schule für die Schule“ ist auch heute noch das Motto der IServ GmbH. (Quelle: Alexandra Siering)

Das unternehmerische Risiko

„Von heute auf morgen hat sich unsere Vision der Digitalisierung verwirklicht“, blickt Jörg Ludwig auf ein turbulentes Jahr 2020 zurück. „Als im März die Schulschließungen drohten, haben wir sofort reagiert und gemeinsam überlegt, was wir tun können, um den Schulen in dieser Situation schnell zu helfen.“ Ohne einschätzen zu können, wie sich die Nachfrage nach digitalem Unterricht entwickeln würde, stellte unser Unternehmen allen neuen Schul-Kunden die digitale Schulplattform IServ für ein halbes Jahr kostenfrei zur Verfügung. Um die enorme Nachfrage bewältigen zu können, erweiterten wir das Angebot auf eine Cloud-Version und organisierten für 300.000 Euro zusätzliche Serverkapazitäten. Noch im ersten Lockdown entwickelten Jörg Ludwig und das Team auf Basis einer Open-Source-Software ein Videokonferenzmodul, das ebenfalls kostenlos bereitgestellt wurde. Beinahe alle Schulen entschieden sich nach ihrer Testphase für ein kostenpflichtiges Abo.

Natürlich gab es auch Rückschläge. Ausgerechnet zum Schulstart 2021 kam es aufgrund einer fehlerhaften Programmzeile zu einem zeitweisen Ausfall des Videokonferenzmoduls. „Im Vorfeld hatten wir unsere Serverkapazitäten für die Videokonferenzen vorsorglich noch einmal drastisch erhöht und sahen uns für den Ansturm des Schulstarts optimal gerüstet“, ärgert sich Jörg heute. Sein unternehmerischer Mut wurde dennoch belohnt. Bis Ende 2021 steuert unser Unternehmen auf die 6000. Schule zu. 160 Kolleginnen und Kollegen sollen dann für einen reibungslosen Ablauf sorgen. „Die Schuldigitalisierung hat 2020 etwa fünf Jahre ihrer Entwicklung übersprungen“, resümiert der gebürtige Braunschweiger.