Funke Digital Day: You are Fake News!

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Spannendes Format! Beim „Digital Day“ der Funke Mediengruppe bekamen die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck von der Macht der gezielten Falschinformation. (Quelle: Grafik: IServ)

Was sind eigentlich Fake News? Woher kommen sie und wie kann man sie identifizieren? Diesen und anderen Fragen gingen die Moderatoren Ida Wittenberg und Falk-Martin Drescher, Amelie Weber, Thu Trang Tran, Caroline Scherf und Christian Klose am 18. März dieses Jahres beim „Digital Day“ der Funke Mediengruppe nach.

Was sind Fake News überhaupt?

Mitte März lud die Funke Medien Gruppe in Braunschweig zu ihrem jährlichen „Digital Day“ ein und zahlreiche Schulklassen folgten der Einladung der dieses Mal auch in digitaler Form stattfindenden Veranstaltung. Unter der Überschrift „Fake News“ referierte der Journalist Falk-Martin Drescher im ersten Teil der Veranstaltung und brachte den Besucherinnen und Besuchern das Thema in Form einer bunten Präsentation näher.

„Was sind Fake News überhaupt und wie erkennt man sie?“, fragte Drescher in die Runde und erhielt von den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Chatfunktion der Videokonferenz bereits einige sehr detaillierte Antworten. „Fake News sind Falschmeldungen über wissenschaftliche Fakten“, entgegnete da zum Beispiel ein Schüler.

„Gezielte Falschmeldungen sind etwas anderes als aus Versehen geschehen“, betonte Falk-Matin Drescher und stellte vor allem den Vorsatz hinter Fake News in den Vordergrund. „Fake News sind manipulativ verbreitete, vorgetäuschte Nachrichten, die vor allem über das Internet, Blogs, soziale Medien oder Messenger verbreitet werden“, so Drescher, der dies auch an einem Beispiel aus der Coronazeit demonstrierte: „Bill Gates will die Menschen zwangsimpfen und überwachen“.

Fake News seien demnach auch nicht gleichzusetzen mit Falschmeldungen, wie unzutreffende Nachrichtenmeldungen, die durch nachlässige, fehlerhafte oder völlig ausbleibende Recherche von Journalisten entstanden sind. Auch Gerüchte seien keine Fake News: „Die Information hinter einem Gerücht ist ungesichert“, so Drescher.

„Fake News sind keine Neuheit. Sie werden schon seit jeher genutzt, um bestimmte Menschen, Parteien oder ähnliche Gruppen zu diskreditieren oder bestimmte Informationen zu platzieren“, berichtete der Moderator. Bereits vor 3.000 Jahren sei dieses Mittel genutzt worden: „Auf einer Steintafel, auf der die Geschichte der Arche Noah beschrieben wird, die es auch in die Bibel geschafft hat, hat ein britischer Wissenschaftler herausgefunden, dass die Worte unterschiedlich interpretiert werden könnten. Diese doppeldeutige Wortwahl zielt darauf ab, dass die Nachricht falsch verstanden wird und ist damit eine bewusste Manipulation mit Worten“.

Spannende Runde (von oben links im Uhrzeigersinn): Falk-Martin Drescher, Caroline Scherf, Thu Trang Tran, Christian Klose, Amelie Weber und Ida Wittenberg. (Quelle: Bildschirmfoto)

Das Internet als Beschleuniger von Fake News

Ein Beschleuniger von Fake News sei in unserem modernen Internetzeitalter der Vertrauensverlust in die Politik, die Medien oder die Wissenschaft. „Ein noch größerer Beschleuniger für Fake News sind Krisenzeiten“, so Drescher, der als Beispiel ‚Ken FM‘ heranzog. Mithilfe sogenannter „Social Bots“ könnten automatisiert Nachrichten und Meinungen in Posts, Kommentaren, Likes, oder Tweets verbreitet werden. „Fake News werden in großer Zahl verbreitet und können so die öffentliche Meinung beeinflussen“, betonte Drescher, der dies an der gigantischen Zahl von zwei Millionen Fake News-Tweets innerhalb eines Monats zum Thema Coronavirus aufzeigte.

„Es gibt verschiedene Gründe für Fake News“, schob Amelie Weber, Online-Redakteurin bei Funke und Tiktok-Expertin, ein. „Zum einen kann das einen politischen Hintergrund haben, wenn zum Beispiel böse Behauptungen über verschiedene Minderheiten verbreitet werden.“ Weitere Gründe seien Wahlkampf oder das Schüren von Ängsten. „Hinter dem Einsatz von Social Bots für Fake News können in jedem Fall auch Geschäftsmodelle stecken“, ergänzte Drescher.

„Müssen lernen, Falschmeldungen besser zu erkennen!“

„74 Prozent der Befragten einer repräsentativen KANTAR-Studie weltweit sind besorgt über die Zunahme von vorsätzlichen Falschmeldungen“, betonte Drescher und signalisierte den Schülerinnen und Schülern, dass er sich selbst auch dazu zählt. Doch was kann man tun gegen die Verbreitung von Fake News? Auch hier gibt die Studie Auskunft. 91 Prozent der Befragten sagen, wer häufig Falschmeldungen in sozialen Netzwerken verbreitet, sollte von den Betreibern gesperrt werden. 89 Prozent sagen überdies, die Nutzer müssen lernen, wie sie Falschmeldungen besser erkennen können. „Gerade deswegen muss man immer auf die Quellen und den Inhalt einer Meldung achten“, betonte Drescher.

Im Nachgang der Präsentation riefen die Veranstalter zu einer Diskussionsrunde auf, die bei den Jugendlichen und Kindern großen Anklang fand. Caroline Scherf, Pressesprecherin der Polizei Braunschweig, erklärte: „Wir müssen lernen, mit den modernen Medien umzugehen“ und hob auch die rechtlichen Möglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler hervor, sollten sie einmal betroffen sein: „Es gibt tatsächlich strafrechtliche Aspekte, die durch Fake News berührt werden.“

Schon in der Bibel waren Fake News ein Thema! (Grafik: IServ)

Attila Hildmann vs. Klinikum Braunschweig

Als Pressesprecherin des Klinikums Braunschweig hatte Thu Trang Tran ein ganz konkretes Beispiel für Fake News mitgebracht. „Wir als Klinikum Braunschweig haben im letzten Jahr an der Jerusalema-Tanzchallenge teilgenommen. Wir hatten sehr viel Spaß, bis eines Tages in einer Berliner Wohnung ein Berliner Koch zu der Meinung gekommen ist, unserem Klinikum Feedback zu geben, wie der unser Video findet“, formulierte Tran umsichtig.

Der Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann hatte das Tanz-Video des Klinikums unter der irreführenden Überschrift „Wie hart die uns einfach verarschen“ für seine wirren Theorien genutzt und sah sich darin bestätigt, dass Corona nur ein Gerücht sei. „Wir wurden drei Tage lang mit Kommentaren bombardiert“, berichtete Thu Trang Tran den verdutzten Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung.

„Wir sind als ganze Gesellschaft beauftragt, einen Blick darauf zu haben, dass es nicht zu gefährlichen Bestrebungen kommt“, betonte Scherf, auf die Radikalisierung der Gesellschaft mithilfe von Fake News angesprochen. „Diese gilt es gleich zu Beginn zu prüfen.“